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Pressemitteilungen

Mutter Katrin Leichsenring hält ihre kleine Sarah fest im Arm. Michael Friedrich, Daniel Opp, Marco Reinhold und Carsten Scheibner (h. v. l.) sind Lebensretter. Sie eilten dem Mädchen in der Not zu Hilfe.

Freie Presse: September 2007

Spezialtrupp rettet Baby

vor dem Tod...

In Bockau sitzt Sachsens einziges First-Responder-Team - Helfer der Feuerwehr sind in vier Minuten am Einsatzort

Bockau. Katrin Leichsenring spricht leise. Auf ihrem Arm wiegt sie Töchterchen Sarah. Die junge Mutter muss sich sammeln - zu aufwühlend sind die Erinnerungen an jene Sommernacht, in der das Glück der kleinen Familie fast zerbrochen wäre. Ein Wunder, dass das Baby heute so zufrieden lächeln kann. Denn kurzzeitig war es so gut wie tot - wenn die Bockauer Feuerwehr ihm nicht geholfen hätte.

1.29 Uhr ist es gewesen, mitten in der Nacht also, als Katrin Leichsenring den Notruf wählte. "Kommen Sie schnell, mein Baby röchelt und bekommt keine Luft mehr." Kurz zuvor waren sie und ihr Mann Christian aufgewacht, weil Sarah - gerade mal neun Tage alt - merkwürdige Geräusche von sich gab. "Vor ihrem Mund sammelte sich Schaum. Es war schrecklich."

Vier Minuten später war Marco Reinhold am Haus der Familie. Der junge Mann von der Freiwilligen Feuerwehr Bockau gehört zur Spezialeinheit First Responder - zu gut deutsch: Ersthelfer. Von da an kann sich Katrin Leichsenring an keine Details erinnern. "Ich bin geistig ausgestiegen, war aus Angst um meine Kleine total in Panik." Reinhold traf die Eltern verstört und außer sich auf der Straße vor ihrem Wohnhaus an. "Ich nahm dem Vater das Kind vom Arm, brachte es ins Haus", sagt er und zögert kurz. "Da war bei dem Baby keine Atmung mehr vorhanden, die Lippen blau gefärbt. Ich hatte riesige Angst, dass es zu spät ist."

Die nächsten Handgriffe liefen automatisch ab. "Ich drehte das Kind auf den Bauch und versuchte, die Fremdkörper zu lösen." Mit Erfolg: Die Atmung setzte wieder ein. Aber nur kurzzeitig. "Mit einem Absaugkatheter haben wir alles entfernen können. Und endlich bekam die Kleine wieder eine gesunde Gesichtsfarbe - zumindest für diese Verhältnisse." Wie sich später im Krankenhaus herausstellt, hatte sich Sarah im Schlaf an geronnener Muttermilch verschluckt, was ihr den Kehlkopf dicht machte. "Babys sind in Sachen Atmung viel empfindlicher als Erwachsene", erklärt Ersthelfer Carsten Scheibner, der mit Marco Reinhold Dienst hatte. Auch seine First-Responder-Kollegen Michael Friedrich und Michael Prey eilten in jener Nacht zum Einsatzort. "So konnten wir uns aufteilen und den Rettungswagen an der Tankstelle abfangen. Ortsunkundige hätten das Haus wegen einer Baustelle nie auf Anhieb gefunden", so Reinhold. Als der Notarzt vom Deutschen Roten Kreuz Schwarzenberg sowie Gunar Kanis und Daniel Opp von der Johanniter-Unfallhilfe wenig später mit dem Rettungswagen eintrafen, fanden sie eine vorbildlich erstversorgte Patientin vor. "Das geht bei Säuglingen nicht immer gut aus. Da ist schnelles Handeln das A und O", sagt Opp von der Rettungswache Bad Schlema, der Sarah ins Auer Helios-Klinikum brachte.

Erst im Rettungswagen nahm Katrin Leichsenring ihre Umwelt wieder wahr. "Bis dahin war ich wie gelähmt." Das Handeln übernahmen zum Glück die Männer vom First- Responder-Team. "Wobei man sagen muss, dass es einem immer mehr ans Herz geht, wenn so kleine Kinder betroffen sind", erklärt Marco Reinhold.

Ende gut, alles gut: Jörg Seeliger, Chef der Bockauer Feuerwehr, betont immer wieder das perfekte Zusammenspiel aller beteiligten Rettungskräfte bei diesem Einsatz - vom Ersthelfer bis zum Notarzt. "Das ist der Idealfall gewesen. Es ging Hand in Hand. Ansonsten - nicht auszudenken."

Sarah bekam von all dem nichts mit.